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Projektreise 07. - 24.10.2015

Projektreise vom 7. bis 24. 10. 2015

Eine Tagebuchaufzeichnung von Hinrich Kuessner

Deutsche Teilnehmer:959a6125a6 20160506 1377096578

Bodo Borowicki
Hinrich Kuessner
Annette Lesser
Sabine Löser
Peter Ringenberg
Dr. Monika Schellenberg
Heinz-Jürgen Schellenberg
Klaus Schümann

7.10.

Der Flug von Hamburg bzw. Berlin über Paris lief reibungslos. Bei der Ankunft in Lomé wurden die Impfausweise wegen Gelbfieberimpfung überprüft. Die Bescheinigung eines Teilnehmers zur Unverträglichkeit der Impfung wurde anstandslos akzeptiert. Beim Zoll in Lomé wurde eine große Plastetasche gründlich geprüft. Drei Zollbeamte aufsteigender Rangfolge nahmen sich ihrer an. Das kostete viel Zeit. Es gab aber keine Beanstandungen. In der Tasche waren u.a. 1.000 Kugelschreiber für das BONITA HAUS.

Etienne Dablé/IT Village, Alfons Dogbo/Mitglied der Nationalversammlung und Herr Teck/Deutsche Botschaft holten uns ab. Nach einem guten Abendbrot in der Innenstadt fuhren wir in unser Hotel. Es lag etwas außerhalb hinter dem Hafen, aber mit Strandzugang. Am Hotel selbst war wegen der starken Brandung Badeverbot. Aber nicht weit davon hinter dem Schutz einer vom Wasser weggespülten Straße konnte man ohne Gefahren baden. In diesem Hotel blieben wir drei Nächte.

Der Hafen in Lomé, der einzige Tiefwasserhafen in Westafrika, wurde kürzlich erweitert und modernisiert. Vor dem Hafen warten viele Schiffe, dass sie an eine Kaimauer zum Entladen gelassen werden.

8.10.

Nach dem Frühstück ging es zu einem Stadtbummel zum Grand Marche, zum Geldumtausch und zum Telefonkartenkauf. Die Kosten für die Reise hatten wir überwiesen. So ging es beim Umtausch nur um Geld für private Wünsche. Um 14 Uhr hatten wir einen Termin in der Deutschen Botschaft. Wir bemühen uns, in die Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau für den Ausbau der landwirtschaftlichen Ausbildung im BONITA HAUS zu kommen. Der Botschafter war verreist. Deshalb empfingen uns Herr Teck und Herr Schlecht. Herr Teck erläuterte uns, warum die Förderung der Savannenregion vom BMZ nicht vorgesehen ist. Als einen wichtigen Grund nannte er die große Entfernung zwischen Lomé und Dapaong (630 km – Reisezeit je 2 Tage hin und zurück). Das erschwert seiner Meinung nach eine gute Betreuung des Projektes. Außerdem spräche ein politischer Grund gegen eine Erweiterung der bisherigen drei Fördergebiete. Bei den Regierungsgesprächen hat die Bundesregierung die Erweiterung von der Durchführung von Kommunalwahlen abhängig gemacht. Kommunalwahlen fanden zuletzt 1987 statt. 2004 hatte die Regierung der EU Kommunalwahlen für 2005 zugesagt. Sie wurden aber niemals durchgeführt. Unter der Präsidentschaft Faure kann mit Kommunalwahlen nicht gerechnet werden, weil dann die Opposition Chancen hat, in manchen Städten die Bürgermeister zu stellen. Das gilt ganz besonders für Lomé. Wir halten die Nichtberücksichtigung der Savannenregion für falsch. Die Savannenregion ist die ärmste Region des Landes. Es besteht die Gefahr, dass perspektivlose Jugendliche von islamistischen Extremisten für deren Interessen gewonnen werden. In Cincasse gibt es eine Gruppe, die andere Muslime als Ungläubige betrachtet. In Dörfern der Savanne wurden in letzter Zeit vermehrt Moscheen gebaut, auch mit Koranschulen.

Nach dem Gespräch in der Botschaft fuhren wir zum Honighaus in Lome. Von hier wird der Honigverkauf organisiert. Zusammen mit Dosseh Dogbo fuhren wir danach zum Kinderhaus Frieda. Mitarbeiter und Kinder empfingen uns. Einige Kinder kamen erst nach 17 Uhr aus der Schule. Wir lernten den neuen Geschäftsführer kennen. Vier neue Kinder waren kürzlich aufgenommen worden. In einer Gesprächsrunde konnten wir uns mit den Mitarbeitern und Kindern unterhalten. Einige Kinder erläuterten uns selbstbewusst ihre Berufswünsche. Das Kinderhaus hat sich seit der Präsidentschaft von Dosseh Dogbo verbessert. Die Gebäude waren gepflegter und vor allem die Atmosphäre war spürbar angenehmer.

9. 10.

Nach einem guten Frühstück fuhren wir nach Togoville, um etwas zur deutsch-togoischen Geschichte zu erfahren. Wir hatten ein interessantes Gespräch mit dem Prinzen von Togoville, einem Nachfahren von König Mlapa III., der 1884 mit Gustav Nachtigall den sogenannten Schutzvertrag unterschrieb. Das war die Gründung der deutschen Kolonie Togoland.

Der Prinz meinte, dass sein Königreich ganz Togo umschließt. Es ist für mich immer erstaunlich, wie positiv Menschen in Togo auf die deutsche Kolonialzeit zurückblicken. Wenn man genau hinsieht, haben sich die deutschen Kolonialherren auch in Togo nicht besser verhalten als andere herrschsüchtige und grausame Kolonialherren.

10. 10.

Nach einigen Startschwierigkeiten ging es am Vormittag nach Songhai, einer landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte in Porto Novo/Benin. Die Ausbildungsstätte ist Vorbild für die Ausbildung im BONITA HAUS. Sechs künftige Dozenten des BONITA HAUSES werden dort zurzeit ausgebildet. Wir bekamen eine ausführliche und interessante Führung. Hier werden junge Leute mit und ohne Schulabschluss ausgebildet.

Siehe Bericht von Sabine Löser

11. 10.

An diesem Tag wollten wir uns mit afrikanischer Geschichte befassen. Wir fuhren nach Abomey. Dort war der Sitz der Könige von Dahomey. 300 Jahre regierten sie die Region mit harter Hand. 1900 wurden sie nach einem Verrat des Bruders von König Agoli-Agbo (1894 – 1900) von den Franzosen besiegt. In den Regierungspalast bauten die Franzosen ihr Kolonialverwaltungsgebäude. Sie zerstörten eine afrikanische Kultur, im Grunde so wie wir es jetzt von den islamischen Extremisten in Syrien erleben. Französische Kultur, französische Sprache, französische Verwaltung waren jetzt angesagt. Sie verhinderten eine weitere eigenständige staatliche Entwicklung. Das war ein Einschnitt in die Entwicklung des Volkes, der heute noch negative Folgen hat.

12. 10.

Die Fahrt ging weiter, rund 400 km bis nach Kara/Togo. Die Straße wird zum Teil erneuert. Deshalb mussten wir auf einer Sandpiste viele Kilometer schleichen. Kara ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Hier ist die Familie des Präsidenten zu Hause. Die Volksgruppe der Kabyer besetzt viele wichtige Posten der togoischen Verwaltung, des Militärs und der Polizei. Kara ist Universitätsstadt. Ausländische Investoren sitzen vor allem in Lomé, aber auch in Kara. Die Heidelberger Zementwerke, die eigentlich in Dapaong ein zweites Werk bauen wollten, landeten in Kara.

13. 10.

Früh ging die Fahrt weiter nach Dapaong. Wir fuhren auf der alten Straße über die Berge. Sie ist heute wenig befahren. Chinesen haben eine neue Straße gebaut. Das ist vor allem für die vielen Laster, die vom Hafen Lome nach Burkina Faso, Mali und Niger fahren, eine große Erleichterung.

Kurz hinter Mango zeigte uns Etienne die Stelle, wo im Frühjahr 2014 sein fürchterlicher Unfall passierte. Er war damals im Dunkeln auf einen abgestellten unbeleuchteten Laster gefahren. Sein Jeep schob sich unter den Laster. Wir sind dankbar für seine Rettung und dass er schon wieder so aktiv sein kann.

Mittags kamen wir in Dapaong an. Etienne hatte für die 7 Tage in Dapaong für uns einen Koch angestellt, der für uns viele Köstlichkeiten zubereitete. Nach dem Essen besichtigten wir das BONITA HAUS. Der Ausbildungsbetrieb hatte kürzlich nach den Sommerferien begonnen. 107 Studenten haben sich im 3. Ausbildungsjahr eingetragen. Wir lernten die neuen Mitarbeiter kennen. In der Tischlerei wurden die letzten Stühle und Tische für die Grundschule in Mandime hergestellt. Ein neues Schulgebäude wurde in den nächsten Tagen in Mandime eingeweiht.

Für den Computerraum im BONITA HAUS wurden die Fenster verändert und eine Klimaanlage eingebaut. Vor dem Ausbildungsgelände wird ein kleiner Verkaufsstand gebaut. Honig und Gemüse, später auch Fische sollen hier angeboten werden. Die Ausbildungsstätte muss sich selbst künftig finanzieren. Allein mit Einschreib- und Studiengebühren ist das nicht zu machen. So müssen auch andere Einnahmen erwirtschaftet werden.

Hinter dem Ausbildungsgelände sind eine Gärtnerei und Baumschule angelegt worden. Wir waren erstaunt, wie schnell Pflanzen wachsen können, wenn sie genug Wasser bekommen. Im März 2015 war begonnen worden das Gelände anzulegen und zu bepflanzen. Die Früchte des Papaya-Baumes konnten im Oktober schon geerntet werden. Bananenstauden, so erfuhren wir, brauchen 9 Monate bis zur Fruchtreife. Nach der Ernte wird die ganze Staude weggeschnitten und neue Fruchttriebe kommen aus der Wurzel. Auf diese Weise fällt auch viel Kompost an, der gut genutzt werden kann und wird.

Innerhalb des ummauerten Ausbildungsgeländes sind Zisternen gebaut. In ihnen sollen künftig Fische gezüchtet werden. In einem Gebäude mit mehreren Räumen werden Honig und Bienenwachs verarbeitet, verpackt und gelagert. Das BONITA HAUS, die Gebäude, die Anlage und die Ausbildung, machten auf uns einen sehr guten Eindruck.

14. 10.

Wir besuchten die Grundschulen in Dore, Piabribagou und Kourdjoak. Alle drei Grundschulen werden durch uns gefördert. Auf der Fahrt nach Dore machten wir einen Halt am Gymnasium in Nano. An einem Gebäude stand Lycee NANO. Aber es ist ein Gymnasium für Mädchen und Jungen. Der große Fahrradparkplatz erstaunte uns. Das hatten wir auf früheren Reisen so noch nicht gesehen. Die Mobilität mit Fahrrädern, Mopeds, Motorrädern und Dreirad- Transportautos hat sich sehr erhöht. Wir erfuhren, dass mehrere Schüler die Schule nicht mehr besuchen dürfen, weil sie Schülerdemonstrationen während des Lehrerstreiks im letzten Schuljahr organisiert hatten. Ein Abiturient durfte deshalb nicht studieren.

In Dore besuchen in diesem Schuljahr 206 Mädchen und 232 Jungen die Grundschule in den Klassen 1 bis 6. Das sind 21 mehr als im letzten Schuljahr. 13 Lehrer unterrichten die Schüler, 5 davon werden von DAZ finanziert. In die 6. Klasse gehen 31 Mädchen und 32 Jungen. Das sind 21 Schüler/innen mehr als im Vorjahr. In der Nähe der Schule hat DAZ 2008 den Bau eines Trinkwasserbrunnens finanziert. Die Pumpe funktionierte jetzt nicht. Auf unsere Frage, warum die Reparatur nicht durchgeführt wurde, bekamen wir keine befriedigende Antwort. Beim Brunnenbau waren zwei Dorfbewohner in Pflege und Reparatur des Brunnen eingewiesen worden und ihnen war entsprechendes Handwerkszeug zur Verfügung gestellt worden. Etienne besprach mit dem Verantwortlichen des Dorfes für den Brunnen, dass die Reparatur innerhalb eines Monats gemacht werden muss. Sonst wird IT Village neu über die Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft beraten müssen.

In Piabribagou besuchen in diesem Schuljahr 126 Mädchen und 149 Jungen die Schule. Das sind 44 mehr als im letzten Schuljahr. 6 Lehrer unterrichten an der Schule. Einer wird von DAZ bezahlt. Die 6. Klasse besuchen 22 Mädchen und 23 Jungen, 21 mehr als im Vorjahr. Der Schulleiter führte uns zu einer Felsenhöhle. Dort werden von Frauen Tongefäße hergestellt.

In Kourdjoak kamen wir am Nachmittag an. Nicht weit weg von der Schule ist eine Moschee gebaut worden. Unser Besuch galt besonders dem neuen Schulgebäude, dass 2013 nach Entwürfen von Architekt Kere gebaut wurde und mit einer Solaranlage ausgestattet ist. Am Mittwochnachmittag war kein Schulunterricht. Die von DAZ geförderten Schülerinnen und Schüler erhalten an diesem Nachmittag Nachhilfeunterricht. So trafen wir doch rund 100 an. Die Grundschule besuchen 233 Mädchen und 273 Jungen. Das sind 22 weniger als im letzten Schuljahr. In Kourdjoak nimmt die Zahl der Schüler etwas ab. Hier haben wir 2007 mit unserer Förderung begonnen. Am Beginn der Förderung kamen auch ältere Kinder in die 1. Klasse. In die 6. Klasse gingen im letzten Schuljahr 21 Schüler/innen mehr als in diesem Jahr. In diesem Schuljahr sind es 37 Mädchen und 42 Jungen.

Sabine Löser hatte Gummiband auf die Reise mitgenommen und begann sofort mit Gummihupf-Training. Die Kinder begeisterten sich schnell dafür.

15. 10.

An diesem Tag stand ein Besuch der Dörfer Nagre II und Mandime an. In beiden Orten fördern wir Grundschulen. In Nagre II wurde 2014 ein neues Schulgebäude errichtet, in Mandime 2015. In beiden neuen Schulgebäuden wurden im September 2015 Solaranlagen eingebaut. Außerdem entstanden in beiden Schulen Schulküchen mit Speiseraum. In Nagre II war im letzten Schuljahr die Schulspeisung gestartet worden. In Mandime wird das in diesem Schuljahr sein. Beide Schulgebäude sind auch nach Entwürfen des Architekten Kere entstanden. Sie sind schön und zweckmäßig. Die Bauweise wurde weiter entwickelt. Unsere anwesenden Bauingenieure bescheinigten allen Bauten eine gute Qualität.

In Nagre II besuchen 188 Mädchen und 220 Jungen die Grundschule. Das sind 24 mehr als im Vorjahr. In der 6. Klasse sind es 10 mehr, 25 Mädchen und 25 Jungen. In Nagre II unterrichten 9 Lehrer, 4 werden von DAZ finanziert. Durch den Schulneubau hat sich die Unterrichtssituation verbessert. Die Schule hat jetzt 6 gute Klassenräume. Die Klassen sind für deutsche Verhältnisse immer noch sehr groß.

In Nagre II startete im letzten Jahr auch die Bearbeitung des Geländes für die landwirtschaftliche Ausbildung des BONITA HAUSES. Die Dorfgemeinschaft hat dafür 10 ha kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein Stausee wurde angelegt. Unsere Bauingenieure schlugen vor, dass der Damm zur Ackerseite verstärkt wird. Wenn er steil abfällt, kann er bei starken Regengüssen weggespült werden. Der Stausee hat eine Tiefe bis zu 5 m. Er war gerade noch rechtzeitig fertig gestellt worden. Wenige Tage vor unserem Besuch gab es einen kräftigen Regenguss, der den See gefüllt hat. Nun müssen wir sehen, ob das Wasser die lange Trockenzeit durchhält und nicht verdunstet bzw. durch das Begießen der Pflanzen ganz aufgebraucht wird. In der Regenzeit waren die ersten Bäume gepflanzt worden. Die Setzlinge waren in der Baumschule in Dapaong gezogen worden. Das erste Gemüse und Hirse können in diesem Jahr schon geerntet werden.

In Mandime waren das neue Schulgebäude und die Küche gerade rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres fertig geworden. Die Zahl der Schüler ist in diesem Jahr etwas rückläufig, 12 weniger. 169 Mädchen und 208 Jungen gehen zur Schule. Die Zahl der Schüler/innen in der 6. Klasse hat um 28 zugenommen, 28 Mädchen und 33 Jungen. Unseren Partner haben wir gebeten zu prüfen, warum die Zahl der Mädchen in allen Schulen geringer ist als die der Jungen. In Mandime unterrichten 8 Lehrer. 3 werden von DAZ finanziert.

In Nagre blieb unser Kleinbus im weichen Sand kurz stecken. Das war eine gute Gelegenheit einen Baobab aufzusuchen, den wir bei jeder Reise bestaunen. Es ist ein alter Baum mit vielen Bienenvölkern.

16. 10.

In Mandime erlebten wir ein großes Dorffest. Das neue Schulgebäude und die neue Schulküche wurden eingeweiht. Schon am Dorfeingang wurden wir von einer Frauengruppe mit Gesang begrüßt und mit viel traditionellem Geschrei zum neuen Schulgebäude begleitet. Dort hatten sich das Dorf und regionale Prominenz versammelt. Die Schulbehörde und Vertreter der staatlichen Verwaltung waren vertreten. So gab es viele Reden, aber zwischendurch traditionelle Tänze der Moba und Gesang. Nach dem Durchschneiden des Bandes und der Besichtigung der neuen Räume konnten alle tanzen, sich mit Getränken erfrischen und mit Fleischspießen stärken. Es war wie immer heiß, etwas über 30 Grad. Sabine Löser betätigte sich wieder als Trainerin für Gummihupf, was auch an dieser Schule sehr gut ankam.

Am Nachmittag unternahmen wir eine kleine Rundfahrt durch die Savanne. IT Village will seine Schulförderung ausweiten und auf eine bestimmte Region konzentrieren. Die in den Grundschulen eingerichteten Bibliotheken sollen verlagert werden in die Hauptdörfer. Die Bibliotheken sind zurzeit in den langen Sommerferien nicht zugänglich. Die Lehrer wohnen in der Regel nicht in den Schulorten. Darum bleiben die Bibliotheken geschlossen. Die Hauptdörfer sind auch von den jetzt geförderten Schulen gut zu erreichen. Vor allem können so mehr Menschen die Bibliotheken nutzen. Dieses Konzept wurde von uns Mitreisenden befürwortet. Die Schulsituation soll zunächst in diesen Hauptdörfern analysiert werden. Danach wollen wir gemeinsam mit der Fürsorge- und Bildungsstiftung Bauten für die nächsten Jahre verabreden. Die Stiftung will mit DAZ und IT Village 2016 eine Planung für 5 Jahre verabreden. Das ist eine große Chance, die Schulsituation in dieser Region nachhaltig zu verbessern.

Bevor wir die Rundreise antraten, führte uns Souke Kankpiame zu einem besonderen Gebäude. Souke ist Grundschullehrer in Mandime und Schriftführer im Verein IT Village. Im letzten Schuljahr haben viele Schüler/innen die Grundschule erfolgreich abgeschlossen. Sie wollten weiter auf die Mittelschule. In den in der Region vorhandenen Mittelschulen waren aber nicht genug Plätze vorhanden. Auf Initiative von Souke und anderen haben fünf Dorfgemeinschaften zusammen eine Mittelschule in Kourdjoak gebaut und vier Lehrer angestellt. Die Gründung der Mittelschule ist von der staatlichen Schulbehörde genehmigt worden. Aber der Staat hilft nicht bei der Finanzierung. Es ist ein sehr einfacher Bau. 151 Schüler/innen besuchen die Schule. Das ist das, was wir durch unsere Zusammenarbeit mit IT Village erreichen wollen, dass die Menschen selbst aktiv werden, Initiativen umsetzen, die ihnen möglich sind. Für viele junge Menschen verbessern sich so die Chancen für ein besseres Leben, zumal sie jetzt im BONITA HAUS auch eine berufliche Ausbildung erhalten können.

Auf der Rundreise sahen wir auch größere Investitionen von religiösen Einrichtungen, auch sogenannten christlichen Gruppierungen. In einem abgelegenen Dorf werden Katechumenen unterrichtet. Dafür sind mehrere stattliche Häuser gebaut worden. In einem anderen Dorf war eine große Moschee mit Koranschule gebaut worden. Das muss alles nichts Negatives sein. Allerdings sind Christen und Muslime in der Savanne Minderheiten. Wenn religiöse Gruppen hier aggressive Mission betreiben, kann das zu Auseinandersetzungen führen. Die Gefahr besteht besonders bei intoleranten religiösen Gruppen. Da diese Investitionen nur zur Stärkung der jeweiligen Religion und nicht zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen dienen, sollte man nach meiner Auffassung diese Entwicklung im Blick behalten. Zurzeit leben Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen friedlich miteinander. Investitionen in die Verbesserung der Lebensverhältnisse hat in den letzten Jahren Japan durch den Bau von Trinkwasseranlagen getätigt.

17. 10.

Am Sonnabend ist Markttag in Dapaong. Wir haben eine weite Fahrt zum Fluss Oti vor. Aber einen Bummel über den Markt lassen wir uns nicht entgehen. Danach geht es auf die Fahrt zu dem Dorf Kpayendiga am Oti-Fluss, rund 100 km von Dapaong entfernt. 60 km sind auf guter Straße, danach geht es über Landwege, die bei starken Regengüssen nicht befahrbar sind. In Kpayendiga hat IT Village für die landwirtschaftliche Ausbildung im BONITA HAUS 127 ha zur Verfügung gestellt bekommen. Das Dorf ist bereit, bis zu 2.000 ha zu geben. Unter welchen Bedingungen ist noch nicht klar. Das Ackerland liegt am Oti, einem der großen Zuflüsse des Voltasees in Ghana. Er führt ganzjährig viel Wasser, tritt in der Regenzeit auch über die Ufer. 2008 gab es eine große Überschwemmung. Auf der Fahrt sehen wir gut bestellte Äcker. Da kein Wassermangel ist, wächst es üppig. Das Land ist dünn besiedelt. Es gibt große Flächen, die nicht bearbeitet werden. Der einzige Nachteil ist die fehlende Verkehrsanbindung.

Die Grundschule im Dorf ist sehr einfach. Für die Klassen 1 und 2 fehlen Schulbänke. Die Kinder sitzen auf Holzstangen. Die Reiseteilnehmer schlagen DAZ vor, hier einen Schulbau im Jahr 2017 zu finanzieren und die Schule mit in die Förderung aufzunehmen. IT Village will dafür die Situation genauer erfragen. Es muss geklärt werden, wie viele Kinder im Einzugsbereich der Schule leben. Ein neues Schulgebäude könnte auch mitgenutzt werden für die landwirtschaftliche Ausbildung des BONITA HAUSES.

Am Fluss Oti haben sich Fischer aus dem Niger angesiedelt. Sie scheinen vom Fischverkauf gut leben zu können. Bei unserem Rundgang durch das Gelände sehen wir Antilopenspuren. Bisher habe ich in der Savanne Togos nur zweimal Affenhorden gesehen. Auch gibt es verschiedene Vogelarten. Im Oktober sieht man in der Savanne viele Vögel. Wenn man in der Trockenzeit dort ist, hat man den Eindruck, dass es weder Wildtiere noch Vögel in der Savanne gibt.

Auf der Rückfahrt machten wir einen Abstecher zu einer Fulbe-Familie, die eine kleine Kuhherde von Etienne versorgt. Als wir bei den Kühen ankommen, ist es schon dunkel. Die Fulbes ziehen traditionell mit den Kühen durch das Land. Sie gehen weite Wege, damit die Kühe immer etwas zum Fressen finden.

18. 10.

An diesem Sonntag besuchten wir den Grenzort nach Burkina Faso, Cinkasse. Die Straße von Dapaong nach Cinkasse ist durch eine Baufirma aus Burkina Faso neu gebaut. Straßenlampen ziehen sich durch beide Orte. Vor der Grenze überholten wir lange Schlangen von Lastautos. Cinkasse ist ein wichtiger Handelsplatz. An diesem Ort soll eventuell eine Krankenstation entstehen mit Finanzierung durch die Greifswalder Unternehmerfamilie Braun. Zurzeit läuft eine Bestandsaufnahme der medizinischen Einrichtungen und Bedarfe in der Region. Wir besuchten den Chief von Cinkasse. Er würde den Bau einer medizinischen Einrichtung sehr begrüßen. In der Vergangenheit hat er sich in Ghana medizinisch behandeln lassen. In Ghana können auch Ausländer eine Krankenversicherung abschließen. Sie bekommen so die Behandlungskosten teilweise bezahlt. Da in Ghana Englisch gesprochen wird, in Togo aber Französisch, gibt es bei der Behandlung einige Probleme. Kürzlich haben US-Amerikaner in Mango ein Krankenhaus eröffnet. Nun lässt er sich dort behandeln.

In Cinkasse machten wir auch einen Bummel über den Markt. Am Sonntag war Markttag mit vielen Angeboten. Nach Cincasse kommen Menschen auch aus den Nachbarländern zum Einkaufen und Verkaufen. Für den Grenzübergang brauchen sie kein Visum.

Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Zeltplatz Pligou. Vom Zeltplatz hat man einen herrlichen Blick in ein weites Tal. Dort leben Familien und bestellen ihre Felder. Das erste Mal war ich 2008 auf diesem Zeltplatz. Damals sah man fast nur Rundhütten, in denen die Menschen wohnen. Das Bild hat sich verändert. Heute stehen dort viele rechteckige Betonhäuser mit einem Blechdach, auch ein Zeichen dafür, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschen verbessert haben. Auf dieser Fahrt haben wir einige Verbesserungen gesehen. Die Mobilität der Menschen ist besser geworden. Man sieht sehr viele Fahrräder, Mopeds, Motorräder und kleine dreirädrige Lastfahrzeuge. Solarstraßenlampen, auch einige Solaranlagen für Wohnhäuser sahen wir in Dörfern. Die japanische Regierung hat Trinkwasseranlagen finanziert. Sie sind teilweise mit Solarpumpen ausgestattet.

Wir schliefen auf dem Zeltplatz in Zelten, kleinen Hütten oder unter freiem Himmel, vor Malariamücken geschützt durch ein Netz. Abends zwang uns ein kurzer kräftiger Regenschauer in die Kochhütte. Bald konnten wir uns aber an einem Lagerfeuer versammeln und sangen deutsche und togoische Volkslieder. Der Zeltplatz ist schon ein besonderes Erlebnis. Morgens beim Frühstück sahen uns Affen von einem Felsen zu.

19. 10.

Morgens ging es zurück zum BONITA HAUS. Dr. Monika Schellenberg, die DAZ-Projektleiterin für die landwirtschaftliche Ausbildung, Heinz Schellenberg, unser DAZ-Schatzmeister und ich als DAZ-Vereinsvorsitzender hatten uns zu Gesprächen mit Etienne, dem IT Village Vorsitzenden, mit Souke, dem Schriftführer und dem Verwaltungsleiter des Vereins zu Gesprächen zu unseren Projekten verabredet. Im Laufe der Jahre hat sich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit unserer Vereine entwickelt. Wir haben vollen Einblick in die Finanzen und beraten gemeinsam alte und neue Projekte. Das geschah auch an diesem Tag und dauerte bis zum Abend.

Die anderen Reiseteilnehmer fuhren durch die Savanne, um Einblicke in die Imkerei zu bekommen. Annette Lesser ist Imkerin. Lesen Sie dazu ihren Bericht.

Ein Extraprogramm hatte vorher schon Bodo Borowicki absolviert. Er ist bei DAZ für Schulprojekte verantwortlich. In Mandime hat er einen Nachmittag am Schulunterricht teilgenommen.

20. 10.

Morgens hatten wir uns eine Stunde mit den Studenten des BONITA HAUSES zu einem Gespräch verabredet. Über 100 Studenten saßen uns gegenüber. Sie hatten viele Fragen an uns. Deshalb dauerte diese Runde drei Stunden. Wir, die DAZ-Vertreter, stellten uns zunächst vor. Wir erzählten unseren beruflichen Werdegang. Das löste viele Fragen aus. Einige Fragen will ich hier wiedergeben:

• Warum arbeiten IT Village und DAZ zusammen?

• Warum haben wir für diese Zusammenarbeit die Savanne ausgewählt?

• Annette Lesser wurde gefragt, warum sie ihren Beruf als Krankenschwester an den Nagel gehängt hat und eine Tätigkeit als Landwirtin und Imkerin aufgenommen hat. Der Fragesteller meinte, dass das doch ein Rückschritt im beruflichen Werdegang sei.

• Wie funktionieren das Schulsystem und die berufliche Ausbildung in Deutschland?

• Gibt es in Deutschland Stipendien für Ausländer?

• Werden die Abschlüsse des BONITA HAUSES im Ausland anerkannt?

• Kann im BONITA HAUS Deutschunterricht eingeführt werden?

• Bauer Peter Ringenberg wurde nach Praktikumsplätzen in seinem Betrieb gefragt.

Auch nach der Versammlung gingen die Gespräche weiter. Unser Dolmetscher Bodo Borowicki war sehr gefragt.

Am Nachmittag trafen wir uns mit den Mitarbeitern des Vereins zu einem Gespräch. Neben der gegenseitigen Vorstellung ging es um konkrete Fragen zu unserer Zusammenarbeit unserer Vereine und auch um Fragen der Arbeit von IT Village. Der Verein ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. In der Geschäftsführung des Vereins hat es einen Wechsel gegeben. Wir haben berichtet, wie bei uns solche Organisationen strukturiert sind. Wir haben ihnen vorgeschlagen eine Personalvertretung zu wählen, die die Mitarbeiter gegenüber der Geschäftsleitung vertritt. So können auftretende Probleme schneller und direkter angesprochen werden.

DAZ will mit seinen Partnern Leitlinien zur Qualitätssicherung in der Entwicklungszusammenarbeit vereinbaren. Das Papier wurde vom DAZ-Vorstand erarbeitet. Im Vorwort heißt es: „DAZ e.V., ITV und Association Aide aux Enfants Orphelins du SIDA tragen mit ihrer Arbeit zur Minderung von Armut, Hunger, Not und zur Verwirklichung der Menschenrechte in Togo bei. Um diese Ziele zu erreichen sind die Vereine auf die Unterstützung und das Vertrauen der Spenderinnen und Spender sowie der Förderer in Deutschland angewiesen.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die korrekte Verwendung aller finanziellen Mittel und die Förderung der Demokratie sind deshalb wichtige Elemente der Qualitätssicherung in unserer gemeinsamen Entwicklungszusammenarbeit.“

Wir wollen mit dem Papier erreichen, dass diese Themen immer wieder bei uns im Verein DAZ und in Besprechungen bei unseren Partnern thematisiert werden. Motivierung der Mitglieder und Mitarbeiter für das Ziel unserer Zusammenarbeit und Kontrolle der Finanzen sind für uns wichtige Themen.

21. 10.

Früh mussten Sachen gepackt werden. Am Abend war der Honig der Savanne, den jeder mit nach Hause nehmen wollte, für den Flug sicher verpackt worden. Der deutsche Zoll erlaubt die Einfuhr von 2 kg. Wir verließen Togo in Richtung Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. An der Grenze in Cinkasse kostete die Fahrzeugkontrolle etwas Zeit. Die Papiere waren in Ordnung. Trotzdem gab es auf der togoischen Seite Probleme. Aber auch diese löste Etienne.

Wir machten einen kleinen Abstecher zum „Operndorf Afrika“, einer Initiative des verstorbenen Film- und Theaterregisseurs Christoph Schlingensief. Eine Schule, Krankenstation, Wohnhäuser und wohl auch einige Gebäude für die Oper sind fertig. Es sind alles Bauten nach Entwürfen des Architekten Francis Kere, siehe den Bericht von Klaus Schümann.

Im Dunkeln kamen wir schließlich in der Landeshauptstadt Burkina Fasos an.

22. 10.

Wir wollten noch weitere Bauten des Architekten Francis Kere besuchen. In der Nähe der Stadt Koudougou entstehen eine Schule und ein Waisenhaus. Hier verwendet Kere einen anderen Stein, der traditionell in der Region aus Felsen geschlagen wird. Bilder dazu sind auch im Bericht von Klaus Schümann.

100 km fahren wir zu den Baustellen durch Burkina Faso. In Burkina Faso soll die Armut noch größer sein als in Togo. Bei der Durchreise bekommt man einen anderen Eindruck, da wir nicht bis in die armen Gebiete kommen. Die Infrastruktur scheint besser zu sein. Es wirkt alles geordneter und solider. Wir sehen viele Becken und Stauseen, in denen Regenwasser aufgefangen wird. Obwohl die klimatischen Voraussetzungen schlechter als in Togo sind, scheint es in diesem Jahr gute Ernten zu geben. Unterwegs halten wir in einer kleinen Straßengaststätte. Hühner werden geschlachtet und gebraten. Es dauert etwas, aber es schmeckt.

Am späten Nachmittag besuchen wir noch den Kunstmarkt in Ouagadougou. Notwendige Mitbringsel werden eingekauft. Das Angebot ist groß und vielfältig.

23. 10.

An unserem letzten Tag in Westafrika sahen wir uns die Hauptstadt Ouagadougou an. Im neuen Regierungsviertel sind viele Protzbauten, umgeben mit großen Mauern. Reiche Botschaftsgebäude kann man bewundern, auch die Botschaft der Europäischen Union. Dass die Vertreter Europas isoliert unter den Reichen arbeiten und wohnen, ist - glaube ich - kein gutes Zeichen. Die Deutsche Botschaft ist in der Altstadt. Das ist besser.

Wir besuchten auch die Stätten der Revolution vom 30. 10. 2014. Damals wollte Präsident und langjähriger Diktator Blaise Compaore die Verfassung ändern, damit er weiter regieren kann. 1987 hatte er sich grausam an die Macht geputscht. In seinen letzten Regierungsjahren hat er viel für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes geleistet. Aber er wollte die Macht nicht abgeben. Das ließen sich viele Menschen nicht gefallen. Kurz vor der entscheidenden Abstimmung im Parlament wurde das Gebäude angesteckt und so die Abstimmung verhindert. Architekt Francis Kere hat jetzt den Auftrag erhalten, ein neues Parlamentsgebäude zu entwerfen. Im September hatte die Präsidentengarde einen Putsch versucht, um doch noch für die Militärs die Macht zu erhalten. Aber auch dieser Putsch wurde von einer breiten Volksbewegung niedergeschlagen. Armee, Polizei und Zivilgesellschaft wollen Demokratie. Ende November sollen Wahlen abgehalten werden. Burkina Faso heißt übersetzt: Land der aufrichtigen Menschen. Dieser Bezeichnung haben die Bürgerinnen und Bürger des Landes alle Ehre gemacht.

Zum Schluss der Stadtbesichtigung erholten wir uns in einem großen Stadtpark. Nach einer Erfrischung unter der Dusche im Hotel Continental ging es zum Flughafen. Nach dem Einchecken saßen wir mit unseren Freunden von IT Village beim Bier zusammen. Sie hatten noch eine weitere Reise bis Dapaong bzw. Lome vor sich. Unser Flug startete 23:55 Uhr. Nach einem Zwischenstopp in Niamey, der Hauptstadt des Nigers, landeten wir pünktlich in Paris. Auch der weitere Flug nach Berlin bzw. Hamburg klappte gut. Erschöpft und mit vielen Eindrücken kamen alle am 24. 10. gut zu Hause an.