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Projektreise Oktober 2015 / Das Ausbildungszentrum Songhai in Porto Novo/Benin

Ein Fachbericht von Vereinsmitglied Dipl.-Ing. Sabine Löser aus Rüdersdorf bei Berlin zum Projektbereich Ausbildung in Songhai

Aus dem Inhalt: In diesem Bericht schildert Frau Sabine Löser die Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen der Reisegruppe bei dem Besuch des Ausbildungszentrums "Songhai" in der Stadt Porto Novo im Südwesten von Benin. Frau Löser berichtet über die außerordentliche Bedeutung dieses Zentrums für die Region und über die Landesgrenzen von Benin hinaus. Genau genommen ist Songhai ein riesiger Biobauernhof mit Ausbildungsbereich, der vollkommen autark funktioniert. Sie erklärt an Hand von Beispielen die Funktionsweise einzelner Systeme und Anlagen wie Fischaufzuchtanlage, Putenmaststation, Pflanzenproduktionsflächen, Biogasanlage, Recyclingbereich usw. Das Ausbildungszentrum belegt eine Fläche von ca. 22 ha und beschäftigt z.Zt. ca. 1120 Mitarbeiter. Frau Löser informiert den Leser über die Vorzüge dieses Ausbildungszentrums und deren Vorbildwirkung für die gesamte Region. Hier werden aber auch die Probleme angesprochen, die sich bei der Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis ergeben.

Auf der Fahrt von Lomè nach Dapaong besuchte unsere Reisegruppe das Projekt Songhaï in Porto Novo. Vor 30 Jahren, als der afrikanische Kontinent von einer Hungersnot bedroht wurde, verließ der dominikanische Pater Godfrey Nzamujo seinen Universitätsjob in den Vereinigten Staaten und gründete in Benin das heutige innovative Forschungs- und Ausbildungszentrum.

Als Direktor leitet er noch heute unter der Devise "Verpflichtung zu herausragenden Leistungen" den Biobauernhof, der alle Abfälle recycelt und der nachhaltige, regenerative Pflanzenproduktion, Tier- und Fischzucht sowie Nutzung der Bioenergie betreibt.

22 ha groß ist das Mutterzentrum in Songhaï, weitere Einrichtungen gibt es über Benin verstreut aber inzwischen auch in anderen afrikanischen Ländern. Seit 2002 arbeitet das Unternehmen ohne Subventionen und trägt sich vollständig selbst. Zur Zeit sind 1120 Mitarbeiter in Benin für das Songhaï-Zentrum tätig, 250 feste Angestellte und 175 temporäre Mitarbeiter hat der Songhaï-Hof in Porto-Novo und 400 Studenten werden hier jährlich gegen eine Gebühr für Unterkunft und Verpflegung ausgebildet. Auf die Ausbildung von Frauen wird besonderer Wert gelegt, es gibt für die Aufnahme als Studenten aus Benin eine 50%-Quote.

Etienne Dablè ist nicht zum ersten Mal hier. Das Bonita-Haus in Dapaong kann die Erfahrungen, die hier über Jahrzehnte gemacht wurden, gut nutzen, so seine Meinung und daher entsendet er Mitarbeiter des Ausbildungszentrums in der Savanne Togos hierher zum Lernen. Das kostet Geld, aber dieses ist gut angelegt. Im Ausbildungsprogramm des Bonita-Hauses steht die landwirtschaftliche Ausbildung im Mittelpunkt. Für die Zukunft der Menschen in der Savanne Togos ist es wichtig, dass gute Ernten nicht zu Lasten der Umwelt erzielt werden. Dabei können die künftigen Ausbilder des Bonita-Hauses viel auf dem Songhaï-Hof in Porto-Novo lernen.

Wir konnten uns bei einem mehrstündigen Rundgang von der Einzigartigkeit der Stätte überzeugen. Der Rundgang begann bei aussagefähigen Schautafeln, die das Prinzip der Kreislaufwirtschaft anschaulich verdeutlichten.

Dabei ist die Überzeugung zu ökologischem Landbau nicht leicht, denn in der traditionellen Landwirtschaft sind Schutz von Boden und Umwelt nicht ausgeprägt. Hier im Zentrum von Songhaï sehen die Bäuerinnen und Bauern, dass dies möglich ist: ein integrierter Ansatz, der die Viehzucht und die Pflanzenproduktion zusammenspielen lässt. Die Diversifikation ist nicht einfach, denn nicht alle Bauern können Viehzüchter werden. Noch herrscht unter den Bauern ein enormes Informationsdefizit. Für die Viehhaltung ist zudem der Zugang zu Kleinkrediten wichtig, und der ist häufig ungenügend. Doch auch mit der Ziegenzucht oder Hühnern, die auf dem Feld gehalten werden, kann man beginnen. Songhaï setzt dabei vor allem auf die Investitionen in die junge Generation. Man geht hier davon aus, bspw. auf Modellbetrieben angelegte Versuchsfelder zu nutzen, damit die Bäuerinnen und Bauern die Methoden direkt erlernen können. Der Bio-Landbau hat eine große Zukunft und viele Bauern in Benin haben begonnen, ihre Produktepalette zu diversifizieren. Aber das alles braucht seine Zeit. Erst recht in der Savanne Togos.

Wir besichtigten zuerst die Produktionsstätten: Räucherofen für Schinken und Fische zum Beispiel, deren Asche zur Schädlingsbekämpfung weiter verwendet wird. Lehmöfen mit Edelstahleinsatz sind die Kochstätten für Sirup und köstlichen Konfitüren.

Natürlich wird auch das Brot und Kuchen selbst gebacken. Ausgeklügelte Trockner mit Ventilatoren, die die Sonnenenergie nutzen und die empfindlichen Moringablätter, eine Arzneipflanze, trocknen und diverse Mühlen für die Zerealien wurden begutachtet. Auf unserem Weg vorbei an der Molkerei und den Kühlräumen fielen uns die offenen Betonrinnen auf, die die Abwässer zu Klärbecken transportieren. Nichts stinkt hier. Dafür sorgen die Wasserhyazinthen, die die Nährstoffe aufnehmen und selbst zerhackt im Kompost oder der Biogasanlage landen. Das gereinigte Wasser speist den Fischteich oder dient der Bewässerung. Einzig die menschlichen Fäkalien sind aus diesem Kreislauf ausgenommen.

Das von der Biogasanlage, die sogar die Schlachtabfälle verwertet, erzeugte Gas wird in der benachbarten Filteranlage gereinigt, denn nur Methan wird für die Energiegewinnung gebraucht. Einzig zum Kochen wird das Gas ungefiltert genutzt. Biogas, Solarenergie und Holzschnitzelwerk sorgen heute dafür, dass der große Songhaï-Hof mit seinen verschiedenen Produktionsstätten nur noch 40% Elektroenergie aus dem Netz braucht. Und selbst die Restflüssigkeit wird wieder verwendet: 1 Liter davon, verdünnt auf die Felder gebracht, ersetzt 10 kg üblicher Düngemittel.

Mandel- und Palmöl z.B. für Seife wird in Songhaï hergestellt und selbst die Palmenreste dienen noch der Champignonzucht.

Die Fischzucht, Tilapia und dem Wels verwandte Katzenfische, begeisterte und hat Etienne Dablè in Dapaong bereits zum Nachahmen bewogen. Ein Fliegenhotel hatte vorher von uns wohl noch keiner gesehen, ein Haus, in dem bis zu 6 Tonnen Maden pro Monat als Fischfutter herangezogen werden.

Auch wenn wir sie aus Hygienegründen nicht besichtigen durften, erfuhren wir von den ganz besonderen Schweinen, einer eigenen Züchtung, die 500 kg auf die Waage bringen können ohne einen großen Fettanteil zu besitzen. Sie werden, wie auch die Hühner, im Stall gehalten. Die Hühnerställe erinnerten uns an die Legebatterien in Deutschland. Gepaart mit der Tatsache, dass die Küken aus Europa angeliefert werden, ließ dies bei dem Einen oder Anderen für einen Moment das ungute Gefühl der industriellen Produktion aufkommen. Anderes Geflügel vergnügte sich dann wieder unter Büschen und im großen Auslauf, wo es täglich zweimal gezählt wird. Eine notwendige Maßnahme, so berichtete unser Führer. Es verschwanden doch zu oft Enten oder Gänse.

Der Ackerbau überzeugte durch konsequentes Mulchen und Kompostieren. Bohnen, Gurken, Ingwer ... alles wird konsequent bewässert, ein Regenwassersystem durchzieht das Gelände. 10 t pro Hektar bringt die Reisernte pro Jahr, wobei man es schafft, dreimal zu ernten.

Es wurde schon dunkel als wir in den industriellen Bereich, in dem wir die Plastikrecycelanlage besichtigten, kamen. Nur die Flaschen, in denen Nahrungsmittel verkauft werden, müssen aktuell noch dazu gekauft werden.

Wir übernachteten im Gästehaus des Ausbildungszentrums und ließen uns die frischen Fische und Perlhühner zum Abendessen schmecken. Dass auch die Dorfbevölkerung profitiert, fanden wir am darauffolgenden Morgen am Dorfladen bestätigt.

Songhaï hat eine sehr aussagefähige Internetseite (in französischer und englischer Sprache), hier können Interessierte weiterlesen. www.Songhai.org

Weitere Informationen und kleine Filmberichte sind hier zu finden: http://afrika.arte.tv/blog/?cat=4 http://www.focus.de/panorama/videos/Songhaï-hof-in-benin-bio-anbau-gegen-armut_id_4256128.html

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