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Projektreise Mai 2010 nach Togo und Ghana

Ein Reisebericht vom Vereinsvorsitzenden Hinrich Kuessner aus Greifswald

 Der Anflug von Hamburg über Paris verlief ohne Probleme. Die Vulkanwolke aus Island hatte sich rechtzeitig verzogen. Passkontrolle und Zoll brauchten ihre Zeit, rund eine Stunde. Dieses Mal wurde auch der Impfausweis eingesehen.

In Lome hatte es nach langer Trockenzeit zum ersten Mal geregnet. So war es angenehm kühl (26 Grad) und frisch, als wir das Flugzeug verließen. In den nächsten Tagen kam immer wieder mal ein kurzer oder ab und an längerer kräftiger Schauer. Die Regenzeit begann langsam. Auf den Feldern wurde gearbeitet. Die Saat wurde ausgebracht. So war es im Süden. Dort war die Landschaft grün. Im Norden in der Savanne war es heiß und trocken. Auch dort regnete es schon ab und an. Die Erde war noch trocken. Nur im Gebirge und an Flussrändern zeigte sich vorsichtig das Grün der Regenzeit.
Wonder GhanaWonder GhanaWir blieben nur eine Nacht in Togo. Wir wollten zunächst nach Ho in Ghana. Der Grenzübertritt von Togo nach Ghana ist immer mit viel Aufwand verbunden, vor allem wenn man mit einem togoischen Auto nach Ghana will. Fast drei Stunden brauchten wir. Dieses Mal fehlten internationale Papiere für das Auto. Und nach rund 90 km hatte sich unser Keilriemen in viele kleine Stücke zerlegt. Wir kamen noch bis in das nächste Dorf. Dort gab es auch einen Automechaniker, aber keinen passenden Keilriemen.
Unsere Partner aus Ho holten uns schließlich ab. Ein Keilriemen wurde passend gemacht und unser Kraftfahrer kam einige Stunden später auch in Ho an. In Ho konnte dann ohne Probleme ein passender Keilriemen gekauft werden. Aber dieses Problem verfolgte uns weiter. Der Keilriemen aus Ho war von schlechter Qualität. Auf der Rückfahrt von Fada in Burkina Faso war er am Ende. Wir saßen fast fünf Stunden fest, bis ein passender Keilriemen gefunden wurde. Er musste aus einer 60 km entfernten Nachbarstadt geholt werden.
Ho, die Provinzhauptstadt der Voltaregion mit rund 60.000 Einwohnern, wird von der ghanaischen Regierung zur Stadt der Ausbildung profiliert. Ein großes Ausbildungszentrum, das Ho Technikum, mit zurzeit 6.000 Studenten wurde vor einigen Monaten fertig. Die modernen Gebäude beeindrucken. Um das Zentrum sind viele kleine private Studentenunterkünfte entstanden. Und etwas weiter gibt es eine große Gaststättenanlage. Wir tranken ein Bier und aßen Fleischspieße im "New York", draußen bei Vollmond unter Palmen und bunter Beleuchtung.
Die große Bildungsinvestition führt zu weiteren Investitionen. Vodafon hat in Ho ein großes Internetcafe vor 6 Monaten eröffnet. Die rund 100 Platze mit modernster Ausrüstung und DSL-Anschluss waren zu 2/3 besetzt, als wir gegen 17 Uhr hineinschauten. Auch das Angebot in den Geschäften wird immer reichhaltiger. Ghana scheint seinen Weg zu gehen.
Allerdings sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land groß. Auch die Kleinstädte fallen ab. Beim Besuch in Hohoe konnten wird aber dort feststellen, das die Stadt sich gut entwickelt. Mehrere neue Straßen erleichtern das Fahren in der Stadt. Viele neue Wassergräben an den Straßenrändern sorgen dafür, dass das Regenwasser abfließt.
In Hohoe läuft die von uns finanzierte Einrichtung einer Computerschule weiterhin. Unsere Zusammenarbeit mit dem Verein CRAN in Hohoe haben wir eingestellt. Insofern haben wir dorthin keinen direkten Kontakt mehr. Auf die Computerschule macht ein großes Schild aufmerksam, auf dem auch auf DAZ hingewiesen wird.
Ein großes Problem scheint weiterhin in Ghana die Energieversorgung zu sein. Wir waren in einem Dorf, 15 km entfernt von der nächsten festen Straße. Das Dorf hatte Stromanschluss. Aber seit 6 Tagen war Stromsperre. Eine Bäckerei mit 4 Angestellten konnte darum nicht arbeiten. Auch andere kleine Gewerbetreibende waren auf den Strom angewiesen. Ghana fehlt Energie. Der große Volta-Stausee schafft es nicht mehr, den Bedarf zu decken, zumal er nicht genug Wasser fährt. So werden die Dörfer zunächst abgeschaltet. Aber auch in den Städten gibt es Stromsperren. Wirtschaftlich ist das ein großes Problem. Auch in Ho erlebten wir Stromsperren.
Beeindruckt sind wir von der guten Organisation und Arbeit unserer Partner ASRuD in Ho. Eine US-Hilfsorganisation hat ihnen Mittel für Beratungsdienste in der Landwirtschaft gegeben. Das Programm läuft 4 Jahre. Sie konnten dadurch ihr Büro ausstatten mit Möbeln, Technik bis hin zum DSL-Anschluss, einem Pickup, 4 Motorrädern. Gehältern für 7 Mitarbeiter gehören zum Programm. Es arbeiten im Verein 15 Mitarbeiter. Sie teilen sich das für 7 bestimmte Geld. Sie beraten nicht nur, sondern sie vergeben Kleinkredite. 95% der zurzeit 190 Kreditnehmer sind Frauen. 5 Kreditnehmer müssen sich immer zusammenfinden zu einer Kreditnehmergruppe. Jeder Kreditnehmer bekommt einen eigenen Kredit, aber sie sind gemeinsam für die Rückzahlung verantwortlich. Die ersten Kredite sind klein. Sie haben eine Laufzeit von 6 Monaten und einen Zinssatz von 20%. ASRuD hat das Kapital zum Teil bei der Bank of Ghana aufgenommen zu einem Zinssatz von 18%. Alle zwei Wochen an einem bestimmten Wochentag zahlt ein Mitglied der Gruppe die verabredete Quote plus Zinsen bei ASRuD ein. Zwei Wochen später macht dies ein anderes Mitglied. So kommt jedes Mitglied heran. Sie halten dadurch den Kontakt zu ASRuD und kontrollieren, ob die Rückzahlung läuft.
Mit den 2%, die von den Zinsen für die Arbeit von ASRuD bestimmt sind, kann die Tätigkeit von ASRuD nur zu einem geringen Teil finanziert werden. Die meisten Kosten trägt das amerikanische Programm.
Beluga Post hat in den zwei Tagen Filme über einen Jungen und über die ASRuD-Kleinkreditbank gedreht. Der Junge lebt in einem abgelegenen Dorf, von dem ich schon erzählte. Eine Frau aus diesem Dorf hatte ihn als Säugling gefunden. Seine Mutter war bei Unruhen in Togo getötet worden. Die Frau hat den Jungen aufgezogen. Zwei Jahre war sie sehr krank, viel in einem Krankenhaus. In dieser Zeit konnte der Junge nicht zur Schule gehen, da er für seine Pflegemutter und sich für das Essen sorgen musste. Eine Greifswalder Sponsorin unterstützt jetzt beide mit 120 Euro, damit er erfolgreich die Schule besuchen kann. Und der Junge nutzt die Chance. Er spricht sehr gut Englisch und fragt unseren WELTWÄRTS-Praktikanten, der mit uns auf dieser Reise ist, aus über Gott und die Welt. Er möchte gerne einmal Maschinenschlosser werden. Er ist 16 Jahre alt und weiß, was er will.
Wir besuchen auch weitere Kinder, die durch DAZ-Sponsoren beim Schulbesuch unterstützt werden. Wir erleben wieder, wie wichtig die Hilfe für diese Kinder ist. Mit der Schulbildung haben sie eine echte Chance, ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. Eine junge Studentin des Technikums hat gehört, dass wir da sind. Sie kommt zu uns und erzählt stolz, dass sie ihr Studium aufgenommen hat. Sie will Buchhalterin werden. Sie bedankt sich für die Chance, die sie durch DAZ-Sponsoren erhalten hat.
Wir besuchen das Dorf At Woadze. Eine Stralsunder Schulklasse will eine Partnerschaft mit einer Schulklasse in Ghana aufnehmen. Es sind noch Osterferien. So treffen wir keine Lehrer und Schüler an. Unsere Partner führen uns zu einer 17-jährigen Schülerin. Sie ist seit Geburt stark behindert und kann nur mit Mühe gehen. Ihre Eltern haben sie verstoßen, weil sie behindert ist. Die Großeltern haben sie aufgezogen. Es sind arme alte Leute. Vor 6 Jahren hatten sie Hilfsmittel für das Mädchen besorgt. Diese Hilfsmittel, die ihr beim Gehen helfen, waren total verschlissen. Wir haben geholfen, damit neue beschafft werden können. Rosemary braucht dringend weitere Hilfe. Sie geht zur Schule und gehört zu den Besten in ihrer Klasse.
Am 4. Tag fahren wir wieder zurück nach Togo. Dieses Mal ist der Grenzübertritt problemlos. Wir diskutieren abends lange im Marie-Ke mit unserem togoischen Partner Etienne Dable über die Erlebnisse in Ghana. Die Unterschiede zwischen beiden Ländern werden immer größer. Ghana kommt voran. Togo bleibt nicht nur zurück, die Verhältnisse verschlechtern sich immer mehr. Dazu kommen zurzeit die Unsicherheiten in der Politik. Anfang März war die Präsidentenwahl. Sie verlief nicht korrekt. Faure wurde als Sieger verkündet. Die Wähler akzeptieren das nicht. Seit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses finden in Lome am Sonnabend immer größer werdende Demonstrationen statt. Sie enden mit einer Kundgebung am Strand. Die Opposition benennt die Teilnehmerzahl der Demo am 24. April mit 400.000, die Polizei mit 3-4.000. Die Demonstration am 1. Mai wurde von der Regierung verboten. Die Opposition führte sie trotzdem durch. Es war bisher die größte Demo. Auch in den Provinzstädten wollen die Wähler demonstrieren. Das wurde bisher verboten. Das Verbot wurde bisher auch eingehalten. Der Eindruck ist, dass es hier zu Problemen kommen kann. Am zweiten Sonnabend unseres Togoaufenthaltes ist die Demonstration in Lome noch größer und mächtiger. Am Sonntag wollte die Opposition auch in Sokode demonstrieren. Kurzfristig wurde diese Demo wieder abgesagt. Die Regierung hatte mit Gewalt gedroht. Neben der Demo findet an jedem Mittwoch in einer methodistischen Kirche in Lome ein Friedensgebet statt. 1.000 Euro 1.500 Menschen nehmen daran teil. Vorbild dieser Veranstaltung sind die Friedengebete der DDR im Jahr 1989. Am 3. Mai wurde Faure als Präsident vereidigt. Bundeskanzlerin Merkel gratulierte mit Worten, aus denen viel Unkenntnis über die politische Situation in Togo sprechen, vielleicht ist es aber auch nur Desinteresse.
Nach der Verfassung hätte die Vereidigung des Präsidenten schon 14 Tage nach der gültigen Feststellung des Wahlergebnisses geschehen sollen. Es gibt einige Dinge, die man in Togo nicht nachvollziehen kann. Der ehemalige Verteidigungsminister, ein Bruder des Präsidenten und mächtiger Politiker aus Kara, sitzt seit über einem Jahr ohne Verurteilung in Haft. All das sorgt nicht für Sicherheit über die Zukunft in Togo. Resignation, Stillstand beschreiben die Situation. Es trifft vor allem die Armen, denn ihre Lebensverhältnisse verschlechtern sich sichtbar.
Die Demonstrationen gehen auch nach der Vereidigung des Präsidenten weiter. Die Opposition ist im Süden des Landes fest in der Bevölkerung verankert. Es ist bedauerlich, dass Politiker wie Frau Merkel, die selbst Diktatur und Wahlfälschung erlebt haben, den Willen der Menschen nicht zur Kenntnis nehmen.
Zwei Tage waren wir im Kinderhaus Frieda in Lome. Beluga Post drehte auch hier einen Film. Der Tagesablauf der Kinder soll geschildert werden. Die Kinder sind locker vor der Kamera. überhaupt erstaunt mich immer wieder, wie sie ohne Scheu auf Fremde zugehen. In Togo sind keine Osterferien. So konnten wir die Kinder zur Schule begleiten. Dort gab es großen Trubel, als der Kameramann aktiv wurde. Für togoische Verhältnisse macht die Schule einen sehr guten Eindruck. Junge Lehrer unterrichten. Die Klassenräume sind zum kleinen Innenhof offen. Geräusche kommen so ungehindert von einem Klassenraum zum anderen. Kinder und Lehrer sind das gewohnt. Es scheint nicht zu stören, ist der Eindruck des Zuschauers.
Seit einem Monat gibt es wieder einen Hund im Kinderhaus. Colombo wurde auf dem Markt erworben. Die kleine neue Küche machte einen guten Eindruck. Das Mittagessen, das wir zusammen mit den Kindern einnahmen, Bohnen mit Maniok, schmeckte gut.
Wegen des vielen Regenwassers wurden Dachrinnen an den Gebäuden angebracht und mit Kies wurde der Boden angehoben. Ob es wirklich gegen den vielen Regen der Regenzeit hilft, muss sich noch zeigen. Leider haben die Nachbarn die Aufschüttung für den Weg vor ihrem Haus abgelehnt. In der Regenzeit wird man so wohl immer noch nicht trockenen Fußes zum Kinderhaus kommen. Die Verhältnisse auf der Straße verschlechtern sich insgesamt immer mehr. Die Müllberge sind größer geworden. Für den Abfluss des Regenwassers fehlt eine generelle Lösung. Das wird uns also weiter beschäftigen.
An einem Abend wurden wir eingeladen von einem Ehepaar aus Göppingen und gewinnen ein neues Vereinsmitglied. Sie machen hier bei ihrer Familie Urlaub. Es gibt leckeres afrikanisches Essen, als Nachtisch Ananas. Die frischen Früchte sind ein besonderer Genuss.
Am 1. Mai, ein Feiertag auch in Togo, fahren wir über Bitoka-Cope nach Dapaong. Der Schulbau in Bitoka-Cope ist voll im Zeitplan. Das Dach ist fertig. Jetzt begannen Dorfbewohner mit den Putzarbeiten. Ein Dorfbewohner, der als Maurer arbeitet, gab den Ton an. Für das Dorf ist dieses Projekt eine große Sache. Denn es ist die erste Schule im Dorf. 1940 wurde das Dorf gegründet. Schule ist in Togo leider immer noch nicht für alle Kinder selbstverständlich. Auch das ist ein Ergebnis schlechter Politik des amtierenden Präsidenten und seines Vaters, der 40 Jahre das Land beherrschte. Herr Bitoka erwartet 300 Kinder in der Schule. Mit dem neuen Schuljahr soll der Unterricht beginnen. Im September ist ein großes Einweihungsfest geplant.
Vor Mango machten wir einen kleinen Abstecher zum katholischen Kloster Sadori. Benediktiner-Nonnen betreiben hier eine Imkerei. Unter mächtigen Baobab-Bäumen stehen rund 15 Bienenkästen. An den Bäumen entdecken wir mächtige Waben von Wildbienen. Die Nonnen erzählen uns, dass sie von Mönchen aus Kpalime für die Imkerei geschult wurden. Sie haben Magazin-Kästen und verarbeiten den Honig auch. Der Honig in der Savanne hat eine bessere Qualität als der in Kpalime. Die Nachfrage nach Honig ist groß. Sie könnten viel mehr absetzen.
Einige Tage später fahren wir noch einmal zu den Nonnen. Beluga Post wurde bei Filmaufnahmen auf der Oti-Brücke von einem Bienenschwarm angefallen und rund 10mal ins Bein gestochen. Die Nonnen behandeln die Stiche mit Essig und einer Salbe und der Schaden ist bald behoben. Dieses Mal sind wir unterwegs mit dem Berater von IT Village, Herrn Prof. Koidima, einem Ökonomen und Naturwissenschaftler. Er berät IT Village beim Aufbau einer Baumschule und Imkerei. Wir besehen uns mit ihm die Bienenkästen der Nonnen genauer. Sie sind schlecht gepflegt, einige wurden von den Bienen ganz verlassen.
In Dapaong standen viele Themen an. Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern will uns eine Seite auf seiner Website www.waldaktie.de zur Verfügung stellen. Wir können dort für Waldaktien in Togo werben. Unser Baumpflanzprojekt "NATAN TINI - Bäume der Zusammenarbeit" soll damit Schwung bekommen. Mit Prof. Koidima und Etienne Dable ziehen wir durch die Landschaft und lassen uns Bäume der Region zeigen und ihre Lebensgeschichte erklären. Ziel ist die Schaffung eines Biosphärengebietes in der Savannenregion. Die Michael-Succow-Stiftung unterstützt uns bei diesem Anliegen.
Natur bewahren und Menschen ein besseres Leben ermöglichen, das ist das Ziel. Hierzu gehört auch das Imkereiprojekt, das in diesem Jahr gestartet ist. Rund 300 kg Honig konnten aufgekauft, gesiebt und für den Verkauf vorbereitet werden, ein Verkaufswert von 1.200.000 Fcfa = rund 1.800 Euro. Bei der nächsten Ernte soll es viel mehr werden. Die Savanne ist die Bienenregion Afrikas. Dies will IT Village nutzen. Prof. Koidima verarbeitet in der Savanne von Burkina Faso jährlich rund 12 Tonnen Honig.
Am 7. Mai erlebten wir in Dapaong die Einweihung der Imkerei. Rund 40 Gäste sind der Einladung gefolgt. Darunter auch ein Vertreter des Präfekten. Bisher hatte der Präfekt nicht auf Einladungen von IT Village reagiert. Die Arbeit von IT Village gewinnt an Bedeutung und Achtung in der Region. Prof. Koidima erklärt den Gästen das Projekt und die Bedeutung der Imkerei für die Savanne. Eine Honigprobe kann jeder Gast zu sich nehmen, d.h. drei Proben, denn bisher wurden drei Honigsorten in der togoischen Savanne entdeckt.
Eine Baumschule wurde von IT Village einen Monat vorher eröffnet. Herr Koidima hat eine Analyse der Situation in zehn Dörfern erstellt. Er hat dabei festgestellt, dass die natürlichen Ressourcen der Savanne immer mehr vernichtet werden. Wenn die Menschen ihre Lebensverhältnisse verbessern wollen, muss gegengesteuert werden. Die Savanne ist die am besten geeignete Region Afrikas für Imker. Sowohl was Menge als auch Qualität betrifft, kann keine andere Region mit der Savanne mithalten. Allerdings sind die natürlichen Voraussetzungen für eine Imkerei im großen Stil in den vergangenen Jahrzehnten vernichtet worden. Mit der Imkerei kann vielen Familien zu mehr Einkommen verholfen werden. Voraussetzung ist, dass in der Savanne wieder Wälder, Büsche und Baumalleen entstehen.
Darüber hinaus haben die aufgeforsteten Gebiete einen weiteren, für die Landwirtschaft betreibende Bevölkerung unbezahlbaren Vorteil: Bienen sind effektive Helfer. Durch eine stärkere Präsenz der Bienen auf den Feldern kann mit einer deutlich erhöhten Bestäubungsrate und mit besseren Ernteerträgen gerechnet werden. In einer Hungerregion kann so die Nahrungsversorgung nachhaltig verbessert werden.
Auf Vorschlag und unter Anleitung von Prof. Koidima hat IT Village die Baumschule eröffnet. Hier sollen künftig Wald- und Nutzbäume gezogen werden. Zunächst wurden 22 unterschiedliche Samen von Waldbäumen gesammelt und gekauft. Rund 15.000 Setzlinge wachsen inzwischen heran. Von Woche zu Woche werden es mehr. Vier Mitarbeiter pflegen die Pflanzen. Sie müssen vor Tieren und der heißen Sonne geschützt werden. Die staatlichen Behörden haben für die Baumschule ein Grundstück am Trinkwassersee von Dapaong zur Verfügung gestellt.
Nach sechs Monaten sollen die Setzlinge verpflanzt werden. Mit vier Dorfgemeinschaften wurden Grundstücke für die Pflanzungsaktionen vorgesehen:
Liek 10 ha
Timbou 10 ha
Kourdjoak 3 ha
Nagre II 2 ha
Diese Dörfer wurden ausgewählt, weil sie sich bei anderen Projekten bewährt haben bzw. Imker hier sehr aktiv sind. Die Dorfgemeinschaften in Kourdjoak und Nagre II haben sich bei bisherigen Projekten von IT Village mit eigenen Initiativen besonders hervorgetan.
In Liek sind rund 100 Imker aktiv. Das Dorf liegt in 500 m Höhe, direkt an der togoisch-ghanaischen Grenze. Der Honig hat eine sehr gute Qualität und einen besonderen Geschmack. Die Dorfgemeinschaft steht der Idee eines Biosphärenreservats aufgeschlossen gegenüber. Sie ist bereit, mehrere Hektar unter Naturschutz zu stellen.
In Timbou ist ein Projekt der Welthungerhilfe mit Magazinbienenkästen vor rund fünf Jahren gelaufen. Die damals erstellten Bienenkästen sind abgebrannt. Die Imker haben auf eigene Initiative neue Kästen gebaut und betreiben die Imkerei erfolgreich weiter. Sie werden dabei durch einen staatlicher Berater begleitet. In Timbou gibt es einen kleinen Fluss, an dessen Rand eine Aufforstung sehr sinnvoll wäre. Dieser Fluss trocknet in der heißen Zeit aus und droht zu versanden. Mit der Aufforstung bestimmter Baumsorten kann der erosionsbedingten Versandung entgegengearbeitet werden.
Baumschule und Imkerei sind zwei sich ergänzende und gegenseitig fördernde Projekte. IT Village hat einen zentralen Aufkauf von Bienenwaben organisiert. Diese Aufkaufstruktur soll ausgebaut und durch Aus- und Weiterbildung gefestigt werden. Die Waben werden zentral von IT Village geschleudert und gesiebt. Der Honig wird verpackt und verkauft. Wachs wird gewonnen und soll für Kosmetik, Seife, Kerzen und mehr verarbeitet werden. Den Dorfbewohnern soll durch die Maßnahme zu mehr und regelmäßigem Einkommen verholfen werden. IT Village hat sich außerdem eine Einnahmequelle geschaffen. Zurzeit arbeiten bei IT Village vier Mitarbeiter in diesem Projekt.
Ab Juli 2010 plant IT Village den Bau eines Ausbildungszentrums. Die Imkerausbildung ist ein wichtiger Bestandteil dieses Projektes. Dazu gehört ein Gebäude mit Verarbeitung von Honig und Wachs und eine Werkstatt zur Herstellung von Bienenkästen.
Der Architekt des Ausbildungszentrums, Francis Kere, kam einen Tag nach Dapaong. Er war zu Besuch in seinem Heimatdorf Gando in Burkina Faso. So konnten wir den Bau gut vorbereiten. Der Antrag auf finanzielle Unterstützung liegt beim BMZ. Am 1. Juli soll Projektbeginn sein. Ende 2012 soll das Zentrum stehen.
In Dapaong sind zwei WELTWÄRTS-Freiwillige im Einsatz. Sie leisten wertvolle Arbeit mit Kindern in den Grundschulen. Sie berichten von gravierenden Mängeln in den Schulen. Es fehlen Lehrer. Und den Lehrern fehlt Ausbildung. Der Stock spielt immer noch eine wichtige Rolle, obwohl der Staat das Schlagen verboten hat. Der Staat erlässt erstaunlich viele Bestimmungen. Nur für die Durchsetzung seiner Verordnungen tut er herzlich wenig.
So wurde zum Beispiel das Schulgeld gestrichen und den Lehrern, die durch die Dorfgemeinschaften angestellt waren und oft ein sehr geringes Gehalt bekamen, wurde eine Anstellung durch den Staat mit einem besseren Gehalt in Aussicht gestellt. Den Dorfgemeinschaften wurde sogar untersagt, weiterhin Lehrer zu bezahlen. Von dieser Verordnung ist nur der Teil durchgesetzt worden, der den Dorfgemeinschaften verbietet Lehrer zu bezahlen. Der Staat hat weder neue Lehrer eingestellt, noch bezahlt er die ehemals von den Dorfgemeinschaften finanzierten Lehrer.
In Nagre II hat das zur Folge, dass die 80 Kinder im Kindergarten, einer Art Vorschule, von einer Lehrerin und die 256 Schüler der Klassen 1-6 von fünf Lehrern unterrichtet werden. Zwei dieser Lehrer werden von DAZ finanziert. Wir haben dem Schulleiter für das nächste Schuljahr die Übernahme von zwei weiteren Lehrergehältern zugesagt. Nur so haben die Schüler eine Chance, die Schule erfolgreich zu absolvieren und sich eine Tür aus der Armut zu öffnen.
In Nagre II übergeben wir Bilder der Schüler aus Süderholz. Neugierig werden die Bilder besehen. Für die Schüler in Süderholz haben wir einige Bilder der Schüler aus Nagre II im Gepäck. Die WELTWÄRTS-Freiwillige hat die Kinder zum Malen angeregt.
Auch in der Grundschule Kourdjoak übergaben wir einige Kunstwerke von Schülern der Grundschule Süd in Neubrandenburg.
Das Leben in Dapaong ist für die WELTWÄRTS-Freiwilligen nicht einfach. Gute Kontakte zu Menschen im Ort haben sie wenig. Die kulturellen und sozialen Unterschiede sind groß und lassen sich nicht einfach überwinden. Auch fehlen den jungen Leuten Angebote. Es gibt kein Kino, keine kulturellen Veranstaltungen, fast nichts wo man hingehen kann. Auch dies zeigt, wie wichtig der Bau unseres Ausbildungszentrums ist. Dapaong braucht Angebote für junge Menschen, die sie voranbringen und die ihnen auch Spaß machen. Man sieht in der Region in viele stumpfe Gesichter, die vom harten Lebenskampf und von Alkohol gekennzeichnet sind. Beluga Post hat interessante Interviews mit den beiden jungen Deutschen aufgenommen. Demnächst kann man sie bei DAZ bekommen.
In Nagre II erzählte uns der Schulleiter, dass die Kinder keine Zeit für Schularbeiten bzw. zum Lesen haben. Wenn sie nach Hause kommen und es noch hell ist, müssen sie im Haushalt und auf den Feldern arbeiten. Um 18.30 Uhr wird es schnell stockfinster. Es gibt, wie auch in den anderen Dörfern, keinen Strom in Nagre II. In der langen Nacht sind keine Aktivitäten möglich. Wir wollen prüfen, ob wir die Grundschulen in Nagre II und Kourdjoak mit einer Solaranlage ausstatten können. Dann könnten Kinder im Dunkeln in der Schule lesen. Auch könnten Solarlampen aufgeladen werden. Einige Familien wohnen mehrere Kilometer von der Schule entfernt. Im Dunkeln kann man diese Wege nicht gefahrlos gehen.
Für zwei Tage haben wir einen Abstecher nach Burkina Faso gemacht. An der Grenze kann man problemlos für 15 Euro zu einem Visum kommen. Wir waren in Gando, um den Schulbau von Herrn Kere zu besehen. Aus Dapaong hatten wir Lehm mit. Er soll in einem Labor auf Tauglichkeit für den Bau des Ausbildungszentrums geprüft werden.
Außerdem waren wir noch in Fada, um die Imkerei von Prof. Koidima kennen zu lernen. Es ist beeindruckend, was er leistet. Er hat unterschiedliche Bienenkästen im Einsatz von traditionellen geflochtenen Körben bis hin zu modernen Magazinkästen. Alle Kästen stellt er selbst her. Und er gibt sein Wissen gezielt weiter. Er ist ein Kenner der Savanne. Er will mitwirken bei der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen in der Savanne. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei, die Verbesserungen im Einklang mit der Natur zu erreichen. In seiner eigenen Landwirtschaft sucht er nach Methoden zur Erntesteigerung. Und er zeigt den Leuten die erreichten Verbesserungen. So zeigt er, dass er durch Humus bedüngt größere Erfolge erzielt als durch das Abbrennen der Felder. Letzteres ist in der Savanne weit verbreitet. Oder: er hat Hühner gezüchtet, die nach sechs Monaten ein Gewicht von 2 kg erreichen. Die Hühner in der Region erreichen in der Regel nach 12 Monaten nur 1 kg.
Unser Abendessen nehmen wir auf einer Biofarm unter freien Himmel ein. Zwei seiner 2 kg-Hähne wurden von uns verspeist. Unser Thermometer zeigte abends noch immer über 30 Grad an. Die Regenzeit erreichte Mitte Mai erst langsam die Savanne. Die Safariparks wurden schon geschlossen, weil der Regen die Wege unzugänglich gemacht hat. Es war aber noch sehr trocken und heiß. Wenn der Regen kam, dann kam er heftig. Die Sandpisten werden dann schnell weich.
In Burkina Faso erlebten wir auch eine andere Seite von der Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Westafrika. Wir wohnten in einem Hotel, gebaut zu den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten im letzten Jahr. In diesem durchaus modernen Hotel ist das Wasser knapp. Aus dem Wasserhahn kommt fast nichts. Zum Glück gab es eine Wasserstelle, so dass man einen Eimer füllen konnte. Fehlendes klares kaltes Wasser an besonders heißen Tagen ist eine Herausforderung. Stundenlang ist dazu auch der Strom weg, so dass die nicht besonders starke Klimaanlage ganz ausfüllt. Im Zimmer zeigte mein Thermometer um 21 Uhr 35 Grad. Zu meinem Erstaunen störte es mich beim Einschlafen nicht. Man kann sich an manches gewöhnen.
Auf der Rückfahrt von Dapaong nach Lome am 14. Mai erlebten wir die Gegensätze des sich über 600 km lang hinstreckenden Landes, von der Savanne im Norden bis zum Atlantik. Auf den ersten 100 km der Strecke bis nach Mango war die Erde völlig ausgetrocknet. Nur die Bäume waren grün und blühten. Nur wenige Bäume wie der Baobab werfen in der Trockenzeit ihre Blätter ab. Auf der Erde zeigte sich noch kein Grün. Hinter Mango war die Erde grün. Zartes Grün zeigte sich überall. Je weiter wir in den Süden in Richtung Lome kamen, umso grüner wurde es. Vor Lome war der Mais auf einigen Feldern schon zwei Meter hoch.
Der Rückflug nach Hamburg über Paris lief ohne Probleme. Bei der Passkontrolle auf dem Flughafen in Paris erlebten wir wieder Chaos. Mehrere Flugzeuge landeten, aber zu wenige Kontrolleure studieren die Pässe besonders der Nicht-Europäer langsam und sehr genau. Einige Fluggäste haben die Sorge, dass sie ihre Anschlussflüge nicht mehr erreichen. Die Beamten interessiert das nicht. Als Afrikareisender kann man schlussfolgern: Auch in Europa gibt es organisatorische und bürokratische Missstände.
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