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Projektreise September 2009 nach Togo und Ghana

Ein Reisebericht vom Vereinsvorsitzenden Hinrich Kuessner aus Greifswald

 
Mitarbeiter KinderhausMitarbeiter KinderhausEigentlich wollten wir auf der Reise berichten. Aber das Reiseprogramm war voll. Das Internet in Ghana und Togo ist zeitaufwendig. Dazu kamen einige Widrigkeiten, die Zeit kosteten. Deshalb habe ich nicht direkt aus Togo und Ghana berichtet.
Der Flug von Hamburg über Paris am 12. September lief gut. In Paris konnte der Flieger erst mit fast einer Stunde Verspätung starten. Aber er holte auf den über 6 Stunden einiges wieder auf. Von Paris bis Lome sind es fast 4.800 km. In Lome erwarteten uns um 19 Uhr 28 Grad C. Etienne Dable holte uns am Flughafen ab. Wir wohnten wieder im Hotel Marie-Ke. Abends kam auch noch Patrice Ameyah, der Präsident vom Kinderhaus Frieda vorbei.
Am Sonntag besuchten wir das Kinderhaus Frieda. 10 Kinder waren noch bei ihren Familien. In den Sommerferien besuchen die Kinder immer für rund einen Monat ihre Großfamilie. Sie sollen diesen Kontakt nicht verlieren und später die Möglichkeit haben, dorthin zurück zu kehren. Im Kinderhaus lernten wir eine neue Kindermutter und die WELTWÄRTS-Praktikantin kennen. Letztere war seit einer Woche da und hat sich gut eingelebt.
Ein wichtiges Thema war für uns im Kinderhaus die Finanzbuchhaltung. Rainer Gruszczynski hat dazu mehrere Gespräche geführt und in die Bücher eingesehen. Er hat früher auf diesem Gebiet in Berufsschulen unterrichtet. Die Buchhaltung für das Kinderhaus ist auf gutem Niveau.
Am Nachmittag besuchten wir den Ort Togoville. Von ihm ging 1884 die deutsch-togoische Geschichte aus. Ein Nachkomme des Königs, der mit Dr. Nachtigall den sogenannten Schutzvertrag unterschrieben hat, stellte uns sein Museum vor.
Kürzlich hat auch Präsident Faure diesen Ort besucht. Er macht im ganzen Land schon Wahlkampf. Die nächste Präsidentenwahl ist im Februar 2010. Frauen im ganzen Land werden von einer "Faure-Gruppe" Darlehen angeboten. Die Frauen müssen die Darlehen nicht zurückzahlen, wenn Faure als Präsident wieder gewählt wird. So etwas verdient die Bezeichnung Bestechung.
Am Montag ging es nach Ho in Ghana. Mit einem togoischen Auto nach Ghana zu fahren, ist mit Problemen versehen. Die Beschaffung eines Autos über den Hafen in Lome ist günstiger als ein Autokauf in Ghana. Dem Staat Ghana entgehen durch den Autoschmuggel Steuereinnahmen. Darum gibt es einige Hürden bei der Überwindung der Grenze. Wir wollten nicht über den Hauptgrenzübergang Lome/Aflao einreisen, sondern über einen kleinen Grenzübergang. Dort konnte der Zoll aber nicht die notwendigen Papiere ausstellen. Zurück nach Lome wäre ein Umweg von über 100 km gewesen. Im Palaver findet sich in Westafrika in der Regel immer eine Lösung. Ein Zöllner kam mit zur Zollstation der Provinzhauptstadt Ho. Wir mussten seine Taxirückfahrt finanzieren und eine Gebühr bezahlen. Dann ging alles in Ordnung. Es kostete vor allem Zeit.
In Ho galt unser Besuch dem Verein "Associates for Sustainable Rural Development" (ASRuD). Leiter ist Cosmos Abiwu, den wir seit 2002 kennen. Der Verein wurde im Juni 2007 von Cosmos Yao Abiwu, Segbefia Michael K. Carlos, Pearl Esime Arku und Kugebeadzor Kwadzo Gershon in Ho gegründet. Der Verein hat ein Aufsichtsorgan mit sieben Mitgliedern. An der Spitze steht ein Board Chairman, Herr Prof. P.K. Turkson.
Schwerpunkt der Arbeit von ASRuD ist die Unterstützung armer Menschen in der ländlichen Voltaregion. Ein wichtiges Mittel ist dabei das Kleinkreditprogramm. Es hat in diesem Jahr begonnen mit 87 Kreditnehmern und einem Kreditvolumen von rund 10.000 Cedis. Der neue Ghana Cedi hat zurzeit ein Kurs von 1 Euro : 1,2 GHc. Die Kreditnehmer arbeiten in Gruppen. Es sind vor allem Frauen.
Inhalt der Zusammenarbeit von DAZ und ASRuD ist die Förderung von Kindern aus armen Familien, damit sie einen Grundschulabschluss erreichen.
Es ist der erste Besuch von DAZ-Mitgliedern bei ASRuD. Wir wollten darum prüfen, ob ASRuD für DAZ ein geeigneter Partner ist. Darum haben wir uns Projekte von ASRuD angesehen, aber auch die Finanzbuchhaltung. Wir nahmen einen sehr guten Eindruck von der Arbeit mit. Das trifft auch für Buchhaltung und Büroorganisation zu. Michael Carlos hat ein gutes System der Buchhaltung entwickelt. Sehr überzeugend fanden wir auch das Konzept der Kleinkreditgewährung.
Am Dienstag besahen wir einen großen landwirtschaftlichen Betrieb, den ASRuD berät. Auf 1.200 ha wird Cassava angebaut. Das Land gehört zum größten Teil Dorfgemeinschaften. Große Flächen werden maschinell, aber auch per Hand bearbeitet. In diesem Jahr wurde eine Verarbeitung aufgebaut. Cassavaprodukte haben einen großen Markt in Ghana. Der Bedarf ist höher als die Produktion. Rund 300 Leute haben im Unternehmen Arbeit, das sind 70% der dortigen Bewohner.
Am 15. 9. besuchten wir Kleinkreditnehmer. Dieses Programm überzeugt besonders bei der Hilfe aus der Armut. Die Antragsteller sparen zunächst einen Betrag an. Die Höhe des Ansparbetrages entscheidet über den Kredit. Zusammen mit ihnen wird ein Konzept aufgestellt für die Verwendung des Kredites. Die Kreditzinsen sind sehr hoch, zurzeit 19,5% (Leitzins) plus 5% für die Arbeit von ASRuD. Die ersten Kredite haben eine Laufzeit von 6 Monaten. Wir besuchten mehrere Straßenverkäufer. Sie haben jeweils einen Kredit von 200 GHc erhalten. Sie haben damit ihren Verkaufsstand und ihr Warenangebot verbessert.
Später kommen Vertreter der US-Entwicklungshilfe. ASRuD ist seit dem 1.9.2009 an einem Kleinkreditprogramm der USA beteiligt. Das Programm läuft vier Jahre und soll 6.000 Kreditnehmer erfassen. Neben der Vergabe der Kredite werden durch ASRuD Netzwerke zu Verarbeitung, Vermarktung, Transport und Einkauf geknüpft. Dadurch sollen für die Kreditnehmer bessere Preise erreicht werden.
Im Dorf Adaklu Waya (von Ho in Richtung Aflao) besuchten wir eine Bäckerei. ASRuD hat Mittel aus Südafrika eingeworben. Für 8.000 Dollar entstanden drei Backöfen und ein Backhaus. Zwei ghanaische Maschinen zum Kneten und Ausrollen erleichtern die Arbeit. Bei den Bauarbeiten hat die Dorfgemeinschaft mit freiwilligem Einsatz mitgeholfen und so konnten die Investitionskosten gesenkt werden. Fünf Menschen haben in der Bäckerei Arbeit. Ein großes Brot kostet 1 GHc. Die Zutaten sind 20% Cassava-Mehl und 80% Weizenmehl.
Am nächsten Tag verließen wir Ho nach einem Besuch des Direktors der Zion-Schulen in der Voltaregion. Die Zion-Kirche hat 87 Schulen in der Region.
Der erst junge Verein ASRuD hat schon eine erstaunliche Entwicklung genommen. Mehrere Mitarbeiter haben zusammen mit Cosmos Abiwu CRAN in Hohoe verlassen. Sie haben ihre Erfahrungen eingebracht und so den Verein auf hohem Niveau gestartet. Ausführlich haben wir über die Auseinandersetzungen mit der Leitung von CRAN gesprochen. Die gegenüber Cosmos Abiwu gemachten Vorwürfe sind aus unserer Sicht nicht berechtigt. Alle Reiseteilnehmer sprechen sich für eine Kooperation zwischen ASRuD und DAZ aus.
Cosmos vermittelte uns den Kauf von Flöten. Sie sind aus Bambusrohr und wurden nach Standard der Musikhochschule Winneba gefertigt und haben einen guten Klang.
An der Grenze Ghana/Togo gab es wieder einige Probleme, die viel Zeit kosten. Togoische Autos in Ghana sind ein Problem. Künftig müssen wir wohl überlegen, ob wir an der Grenze die Autos wechseln, also in Ghana mit einem ghanaischen Auto fahren. Dieses Mal wollen die ghanaischen Grenzer unseren Fahrer nicht über die Grenze lassen, weil er keinen Personalausweis hat. Die Afrikaner können die Grenze ohne Ausweiskontrolle passieren. Nach längerem Palaver darf er uns weiter fahren.
In Kpalime besuchten wir den Verein AGERTO, der über 100 junge Leute ausbildet. Die Ausbildung wird kostenlos für Jugendliche angeboten, die sich sonst keine Ausbildung leisten können. Zum Ausbildungsangebot gehören Schneiderei, Kunsthandwerk, Tischlerei, Schweißen, Mauern. Geleitet wird die Ausbildung von einem engagierten Togoer. Rainer Gruszczynski will ihnen helfen, dass die Finanzen transparent und geordnet verwaltet werden.
Abends ging es wieder in das Hotel Marie-Ke in Lome. Am nächsten Tag haben wir uns mit dem Wirtschaftsattache der Deutschen Botschaft verabredet. Für unsere Projekte erhalten wir einige Adressen von interessanten Ansprechpartnern für unsere Projekte. Unsere Partner können bei der Botschaft Anträge für die Finanzierung neuer Projekte stellen. Der Botschaft stehen dafür jährlich 60.000 Euro zur Verfügung. Es gibt dafür ein spezielles Antragsformular. Die Anträge müssen bis Ende Dezember gestellt werden. Die Bewilligung erfolgt bis April. Das Projekt soll bis zum Jahresende abgerechnet werden.
Am Nachmittag waren wir wieder im Kinderhaus Frieda. Jetzt sind alle Kinder wieder da. Am 21. September beginnt wieder die Schule. Wir lernen auch den Interimsleiter und die drei neuen Mitarbeiter (Geschäftsführer und 2 Kinderhausmütter) kennen. Der Wechsel scheint gut zu laufen. Die Kinder sind weiter fröhlich und offen für neue Kontakte. Es erstaunt mich immer wieder, wie leicht man zu den Kindern Kontakt aufnehmen kann. Die Kinder ziehen bald ab mit der Praktikantin und den Müttern. Sie sind eingeladen vom Christlichen Seemannsheim zum Baden und Kuchenessen. Der Bus startet mit voller Mannschaft.
Am Sonnabend (19.9.) brachen wir früh auf nach Dapaong. Uns begleiten die beiden WELTWÄRTS-Freiwilligen, die ein Jahr bei IT Village arbeiten werden. Sie sind voll Tatendrang und haben sich gut auf den Einsatz vorbereitet. Die Fahrt von Lome nach Dapaong ist eine lange Reise. Rund 630 km müssen überwunden werden. Die Straße wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Regierung leistet noch immer wenig für die notwendige Infrastruktur. Eine Brücke, die beim Hochwasser 2008 weggespült wurde, wird von einer chinesischen Firma neu gebaut. über eine Notbrücke schlängeln sich überladene Laster, die zum Teil bis nach Burkina Faso und Mali wollen. In Atakpame kaufen wir Obst, in Kara essen wir. Im Dunkeln kamen wir in Dapaong an.
Da wir wenig Zeit für die vielen Projekte haben, ist auch der Sonntag durchgeplant. Der Bienenexperte Prof. Jacques KOIDIMA aus Fada/Burkina Faso stellt uns ein großes Imkerprojekt für die Savannenregion vor. Honig von Wildbienen wird heute schon gewonnen. In einem Dorf, in Liek, sind es sogar 40 Imker. Herr Koidima schlägt Verbesserungen für die Imkerei durch den Bau von Bienenkästen und eine zentrale Verarbeitung und Vermarktung des Honigs vor. Dieses Programm umfasst auch die Einrichtung eines Naturparks. An der Grenze zu Ghana ist ein Gebirgszug, der landwirtschaftlich kaum genutzt wird.
Am Nachmittag wollte uns Herr Koidima Honigbäume zeigen. Wir kommen bis Nagre II. Unser angemieteter Geländewagen ist leistungsfähig. Als er nur etwas den ausgefahrenen Weg verlässt, versackt er im weichen Sand. Aus eigener Kraft kommt er nicht mehr heraus. Dorfbewohner kommen und helfen. Die Räder müssen freigemacht werden. Steine und Äste machen den Weg fest. Nach rund drei Stunden ist das Auto wieder fahrbereit.
Inzwischen hat uns Herr Koidima einen 200 Jahre alten Baobab mit rund 20 Bienenvölkern gezeigt. Der Baobab ist ein gewaltiger Riese. Die Bienenvölker betrachten wir nur aus der Ferne. Sie sind aggressiv. Man sollte sich ihnen nur mit Schutzanzügen nähern. Es wird wieder dunkel. Wir mussten die Bienenexkursion vorzeitig abbrechen.
Am 21. 9. ist der erste Schultag nach den langen Sommerferien. Zunächst hieß es, dass die Sommerferien wegen des Hochwassers verlängert werden. Das war dann doch nicht der Fall. So konnten wir dabei sein, als in Kourdjoak 113 Schülern Schultaschen, Hefte, Bleistifte, Kugelschreiber, Zirkelkasten, Lineale, Schultasche und Schulkleidung übergeben wurden. Die Eltern dieser Kinder können dies nicht bezahlen. DAZ unterstützt in diesem Schuljahr 273 Kinder aus armen Familien in den fünf von DAZ geförderten Dörfern, damit sie erfolgreich die Grundschule besuchen können. Für jedes Kind werden 15 Euro benötigt. Für dieses Projekt benötigen wir noch Spenden. Schulbildung ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Weg aus der Armut.
Die Zahl der Schüler wird immer größer. Im Schuljahr 2007/08 waren es in Kourdjoak 243 Schüler, 2008/09 348. In diesem Schuljahr rechnet der Schulleiter mit über 370 Schülern. Am ersten Schultag kamen in die 1. Klasse 110 Schüler.
Wir lernten Jendoutie KAMOA kennen. Sie ist 15 Jahre alt. Sie musste nach der 5. Klasse die Schule verlassen. Ihre Eltern konnten das Schulgeld nicht bezahlen. Zwei Jahre hat sie gearbeitet. Im letzten Schuljahr ging sie mit Unterstützung von DAZ wieder zur Schule und hat die Grundschule erfolgreich abgeschlossen. Sie möchte weiter die Schule besuchen, möglichst bis zum Abitur. Die Lehrer meinen, dass sie das schaffen kann. In Kourdjoak gibt es nur die Grundschule. Sie muss also in eine Schule z.B. in Dapaong gehen. Der Weg dorthin ist so weit, dass man ihn nicht täglich gehen kann. Sie müsste also auch dort wohnen. Für das junge Mädchen wäre ein Internatplatz ideal. In Dapaong gibt es eine gute Mittelschule mit Internat von der katholischen Kirche. Sie ist aber teuer. Insgesamt betragen die Kosten 670 Euro jährlich. Können wir helfen? Wir haben noch keine Antwort auf diese Frage. Wir wollen versuchen, mehrere Spender zu gewinnen.
Am Nachmittag besuchten wir das Imkerdorf Liek. Es ist eine eindrückliche Landschaft mit guten Voraussetzungen für einen Naturpark. Im November kommt Etienne Dable nach Deutschland zu einem Seminar zum WELTWÄRTS-Programm. Wir suchen Kontakte zu Gruppen, die sich mit diesem Thema befassen, um zu prüfen, ob sich ein Naturparkprogramm realisieren lässt. Herr Koidima ist voll von seinen Ideen und kann stundenlang über Bienen und ihre Umwelt erzählen. Sein Leitspruch ist: Reichtum ist nichts anderes als zu wissen, wie man lebt. Leben in Einklang mit der Umwelt macht noch reicher. Er schlägt vor, fünf Dörfer in der Savannenregion zu Muster-Imker-Dörfern zu entwickeln. In jedem Dorf sollen 200 ha aufgeforstet werden. So wird die Grundlage für jeweils 25 professionelle Imkereien geschaffen. Jeder Imker hat 25 Bienenkästen und kann ein jährliches Einkommen von rund 300.000 Fcfa (= rund 460 Euro) erreichen. Er hat einen ständigen und zwei zeitweise Mitarbeiter. Das Projekt ist auf 10 Jahre angelegt. Jährlich werden 150.000 Euro benötigt.
Ein erster Schritt für dieses Projekt kann die Errichtung einer Baumschule sein. Am Dienstag zeigte uns Herr Koidima ein geeignetes Gelände an einem Stausee, aus dem das Trinkwasser für Dapaong gewonnen wird. Das Gelände gehört der Stadt. Wegen des Trinkwasserschutzes ist es unverkäuflich. Es könnte gepachtet werden.
Am Nachmittag haben wir uns wieder in Kourdjoak verabredet. Bei meinen Schulbesuchen in Mecklenburg-Vorpommern werde ich immer wieder gefragt: Was spielen die Kinder in Togo? Bisher habe ich darauf keine richtige Antwort. Spielende Kinder habe ich nur selten gesehen. Jetzt wollen wir uns vorführen lassen, was Kinder in Kourdjoak spielen. Wir fuhren zur Schule. Es ist noch Mittagspause. Zwischen 12 und 15 Uhr ist es sehr heiß. In dieser Zeit gehen die Kinder nach Hause. Ein Lehrer führt uns zu einem Gehöft. Wir erklären den Kindern, was wir gerne sehen wollen und warum wir das sehen wollen. Die Kinder spielen los. Immer mehr Kinder kommen. Schließlich sind es 200 oder noch mehr. 30/40 Jungen haben ihre selbstgefertigten Autos mitgebracht. Mädchen kochen und waschen Wäsche. Zwei Jungen bauen aus Lehm Hütten. Überall wird gespielt. Die Kinder haben viel Phantasie. Es ist eine große fröhliche Runde. Schließlich nehmen alle in einem großen Kreis Platz. Zum Vergnügen aller erzählen einzelne Geschichten und bringen kurze Szenen zur Aufführung. Auch Herr Gruszczynski stellt sich in die Mitte und übt das deutsche Lied "Mein Hut, der hat drei Ecken" mit den Kindern ein. Das Nachsprechen und später das Nachsingen klappt auf Anhieb. Es ist ein großer Spaß. Danach zogen alle in einem langen Zug zur Schule.
Wir besahen uns dann noch die im vorigen Jahr fertig gestellten Trinkwasserbrunnen in Kourdjoak und Piabribagou. In Piabribagou trafen wir den Schulleiter und Lehrer und konnten so die Größe und die vielen Stifte der Schüler der Greifswalder Greifschule überreichen.
Am Mittwoch stand die Schule in Nadagou auf dem Programm. In diesem Dorf gibt es Probleme. Beim Brunnenbau im Jahr 2008 war verabredet worden, dass die Dorfgemeinschaft nach der Fertigstellung des Trinkwasserbrunnens die Verantwortung für den Brunnen übernimmt. Für Wartung und Reparatur war ein Mann ausgebildet worden. Jede Familie sollte einen Beitrag leisten, damit notwendige Arbeiten bezahlt werden können. In Nadagou wurde diese Verpflichtung bisher nicht eingelöst. In einer Dorfversammlung sollte dieses Problem angesprochen werden.
Zunächst wurden wieder die Schulsachen an 40 Schüler verteilt. In die 1. Klasse von Nadagou kommen jetzt 170 Kinder. Die Dorfgemeinschaft hat mehrere einfache Klassenräume geschaffen, damit die Klassen verkleinert werden können. Um den Unterricht richtig durchführen zu können, fehlen weitere Lehrer. Zwei werden von DAZ finanziert. Wir übergaben die Vorstellungsbilder der Partnerschule der Gemeinde Süderholz.
Die Dorfversammlung fand dann in einem Klassenraum statt. In der Gemeinde gibt es fünf Chiefs. Sie waren alle da. Dichtgedrängt saßen die Leute auf den Schulbänken. Wir machten ihnen klar, dass wir Projekte im Dorf nur unterstützen, wenn die Dorfgemeinschaft ihren Beitrag leistet. Wenn das Wassergeld nicht bezahlt wird, werden IT Village und DAZ ihre Unterstützung einem anderen Dorf anbieten. In der Aussprache wurden Entschuldigungen für die versäumte Zahlungen ausgesprochen. Sie sollen schnell nach der Ernte nachgeholt werden. Wir hoffen, dass den Worten Taten folgen. IT Village wird uns informieren. Andernfalls stellen wir unsere Unterstützung für Nadagou ein. Unsere Hilfe braucht immer die aktive Mitarbeit der Betroffenen. Sie ist nur eine Hilfe auf Zeit. Nur so kann sie helfen auf dem Weg aus der Armut.
Am späten Nachmittag machten wir noch unseren Höflichkeitsbesuch beim Präfekten der Savannenregion. Bei dem Gespräch ist auch der zuständige Dezernent für Bildungsfragen in der Region. Wir sprechen über die unzureichenden Investitionen in die Bildung junger Menschen. Uns wird berichtet, dass in Dapaong eine Ausbildungsstätte für Grundschullehrer eröffnet werden soll. Noch steht das Vorhaben nur auf dem Papier. Im Büro des Präfekten steht seit zwei Jahren eine Greifswalder Fahne.
Am Donnerstag standen touristische Ziele im Vordergrund. Wir besuchten die Felsenstadt Nano. Die ersten menschlichen Siedlungen sollen hier 3.000 Jahren zurück liegen. Unser Reiseleiter, ein Restaurant- und Campingplatzbesitzer aus Dapaong, kennt die Geschichte seines Landes. Er führt immer wieder Gruppen. Er bietet auch Wanderungen in der Savanne an. Kürzlich kamen auf seinen herrlichen Campingplatz in Bambouaka 200 Schüler aus England. Wir besuchten diesen Platz auch und hatten einen weiten Blick in ein breites Tal. Unterwegs stärken wir uns mit gegrillten Ziegenfleischspießen von einem Straßenverkäufer.
Wir wollen zusammen mit IT Village künftig Reisen zu unseren Projekten und zu touristischen Zielen in Togo und Ghana anbieten. Wer daran Interesse hat, kann sich bei DAZ melden.
Am Freitag ging es zurück nach Lome. Eine Brücke nördlich von Atakpame war gesperrt. Wir mussten einen Umweg von 40 km machen auf zum Teil sehr schlechter Straße. Nach über 12 Stunden Fahrt erreichten wir die Hauptstadt Togos. Am Sonnabend bummelten wir noch über den Grand Marche und kaufen Trommeln für die Grundschule Süderholz.
Zufällig kamen wir bei einer Protestveranstaltung der politischen Opposition vorbei. Mehrere hundert Menschen hörten dem Parteiführer der USP Olympio zu. Sie protestierten gegen die sich abzeichnende Wahlmanipulation bei den Präsidentenwahlen im Februar 2010. Kürzlich konstituierte sich die Wahlkommission. Bei der Wahl des Vorsitzenden gab es keine Einigung. Nach langen Beratungen ging man ohne Ergebnis auseinander. Die Vertreter der Regierungspartei RPT trafen sich erneut und wählten einen ihrer Leute zum Vorsitzenden der Wahlkommission. Die Vertreter der Opposition hörten davon erst später. Diese Wahl wollen sie nicht hinnehmen. Darum gab es die erste Demonstration mit einer Kundgebung. Beides war angemeldet und verlief friedlich. Was die Zukunft bringt, ist offen. Der ehemalige Verteidigungsminister, ein Bruder des Präsidenten und Parlamentsmitglied aus Kara, ist seit April in Haft. Ihm wird die Planung eines Umsturzes vorgeworfen. Bisher ist seine Immunität vom Parlament nicht aufgehoben. Der Präsident ist sich wohl nicht sicher, ob er dafür im Parlament, vor allem in den eigenen Reihen eine Mehrheit bekommt. Der Bruder ist ein mächtiger Mann mit vielen Anhängern.
Zum Abschied aßen wir in einem schönen Strandrestaurant neben dem Hafen von Lome. Danach startete Herr Gruszczynski nach Kpalime. Er bleibt noch über zwei Wochen in Togo und will sich mit den Finanzbuchhaltungen unserer Partner befassen. Für unsere Zusammenarbeit mit den afrikanischen Vereinen ist das ein wichtiger Baustein. Sie und wir wollen Transparenz in den Finanzen. Dabei sind unsere Partner auf einem guten Weg, wie die Gespräche auf dieser Reise gezeigt haben.
Um 22 Uhr sollte das Flugzeug mit Gudrun und Hinrich Kuessner in Lome starten. Es ging aber erst drei Stunden später los. Die Maschine hatte sich aus Paris verspätet. In Paris klappt es aber gut mit dem Anschluss nach Hamburg.
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